Die Martinskirche

Die Kirche von Pieterlen steht als Blickfang auf einem erhöhten Punkt der Jurafußlandschaft, umrahmt von jahrhundertealten Buchsbäumen. Wer der Lockung folgt und eintritt und auf sich wirken läßt, was da durch Menschenhand im Laufe vieler Jahrhunderte gewachsen ist, kommt auf seine Rechnung. Im Mittelalter freilich, als die westlich der Kirche auf der gleichen Tuffterrasse gelegene Burg der Edlen von Pieterlen gemeinsam mit dem Gotteshaus beherrschend über dem Dorf stand, war das Bild in der Landschaft wohl noch eindrücklicher. Wer weiß, ob nicht bereits in frühgeschichtlicher Zeit dicht daneben ein Quellenheiligtum gestanden hat, dort wo nämlich die Pieterler Quelle dem Felsen entspringt? Wer weiß, ob nicht später ein erster bescheidener christlicher Kultbau Nachfolger des vorchristlichen Heiligtums geworden ist? Man hat zwar bisher keine Fundamente eines Vorgängerbauwerkes finden können, aber es darf als sicher angesehen werden, daß es ein solches gegeben hat, und daß in Pieterlen schon seit Jahrhunderten eine Kirche bestanden hatte, bevor sie im Kartular von Lausanne 1228 erstmals urkundlich aufgezeichnet wurde. Wann man die bestehende, dem heiligen Martin, dem barmherzigen Bischof von Tours, geweihte Kirche erbaut hat, ob vor oder nach 1100, läßt sich dagegen nicht ermitteln; ebenso wenig kann man beweisen, daß die Edlen von Pieterlen deren Stifter waren.

Beginnen wir unseren Rundgang durch das Gotteshaus! Das heutige Schiff ist zur Hauptsache romanischen Ursprungs, mit Ausnahme einer Verlängerung von sieben Fuß und einer Erhöhung von drei Fuß aus dem Jahre 1858. Als östlichen Abschluß muß man sich in der Weite des heutigen Chors die halbkreisförmige Apsis hinzudenken. Die 1957 gefundenen zwei Apostelfiguren beweisen, daß das Halbrund der Apsis mit den zwölf Aposteln geschmückt war, die aufrecht zwischen Säulchen mit verbindenden Bögen standen.

Das Schiff besaß eine flache Holzdecke, die nach der Art derjenigen von Zillis GR bemalt gewesen sein mag, und es ist wahrscheinlich, daß auch die Wände, ähnlich wie in Rüti bei Büren, bebildert waren, wenn auch weder von dieser noch von späterer Malerei im Schiff etwas übriggeblieben ist. Die drei romanischen Rundbogenfenster der Nordwand sind noch die ursprünglichen, die vier der Südseite hat man später durch die bestehenden drei gotischen ersetzt. Eine bescheidene romanische Türe fand sich an der Nordseite und eine bedeutend größere an der Südseite; diese ist möglicherweise der Haupteingang gewesen.

Der Boden der Schiffsmitte birgt etwas von internationaler Einmaligkeit: eine runde Öffnung von 25 cm Durchmesser, darunter sich zusehends weitende Mauerringe in Tuff, dann in Kalkstein, so daß ein glockenförmiges Bauwerk von 1,8 m Tiefe und 1 m lichter Weite entsteht. Die Untersuchung durch Dr. Müller-Beck hat ergeben, daß es sich um einen Kornspeicher handelt. Dieser hat sich zwar ursprünglich nicht in der Kirche, sondern wohl im Küchenboden eines Hauses befunden, das an ihrer Stelle stand.